Schülerblog des Domgymnasiums

Berichte unserer Outbounds

Ungarn

Der, die, das Streichholzschächtelchen

Chili zum Frühstück, der geliebte Trabi, Milch frisch von der Kuh, Mülltrennung – was ist das denn?, Bahn und Bus von 1950, als Fahrradfahrer ist man fast dem Tode geweiht, Ungarisch schmeckt zum Sterben gut, tötende Blicke, wenn man nichts möchte, Thermalbäder und dessen tote Menschen, ungarische Liebe und Wärme, die man an Überfütterung – deren Folge der Tod ist – erkennt, ungarischer Nationalstolz und meine Liebe zu diesem Land.

Sziastok meine Lieben in der fernen Heimat!

Wie geht es euch?

Ich schreibe langsam, weil ich weiß, dass ihr nicht so schnell lesen könnt.

Okay war jetzt nicht so der Lacher, aber ich finde den gut ; D. So für die, die mich nicht kennen, mach ich es mal kurz und schmerzlos. Stella Anna ist mein Name, bin 16 Jahre alt und bin in der 11ten Klasse des Evangelisches Domgymnasium am Dom zu Brandenburg an der Havel oder umgangssprachlich am Domgymnasium. Wer aber in der Hoffnung ist mich dort aufzufinden, muss ich vorerst enttäuschen. Denn momentan bin ich YFU- Austausschülerin im Földes Frenec Gimnázium. Ja, und wo ist das?

Jetzt kommt jetzt, passt genau auf…in Ungarn. = D  Und jedes Mal, wenn ich gesagt habe : „Hallihallo, ihr seid mich für ein Jahr los, werde in Ungarn sein.“ Kamen dann solche tolle Kommentare. „Ungarn.? Meintest du nicht Amerika, Australien oder Frankreich & Co?“, „Was willst du da denn?“, „Haben die überhaupt Internet oder Fernseher?“, „Also, anscheinend bist du krank oder lebensmüde oder beides.“, „Gehst du freiwillig dahin?“.  Die Ungarn haben sogar den Farbfernseher und viele weitere Erfindungen erfunden.

Mein Austauschjahr habe ich sehr kurzfristig beschlossen, nicht mal einen Monat vor Einsendedatum. Okay du probierst es, wirst ja eh nicht angenommen und wenn ja ohne Stipendium ohne mich. Ein Stipendium ist Mangelware, von daher bin ich davon ausgegangen, dass einfach der Versuch zählt.  Und hat ja alles geklappt. ( : Also ja ich bin jetzt im 1.111 km entfernten Miskolc, Ungarn. Ich wollte in keines der typischen Austauschländer. Amerika, also genauer gesagt die Vereinigten Staaten, für mich persönlich ist diese „Kultur“ nicht so wirklich sehr sehenswert. Zwischen Fast Food und Halloween und bei den anderen die sind mir alle so typisch und langweilig. Weil jeder dort hingeht.  Also fiel mein Focus auf den „heimischen“ Kontinent Europa. Russland zählt jetzt nicht dazu, aber dies kam ebenfalls in meine engere Auswahl, genau wie Ost- & Mitteleuropa. Exotisch obwohl es gar nicht soweit entfernt liegt. Hat etwas von einem Ü-Ei mit der Geschmacksrichtung Heimisch und Exotisch dual. Ü-Ei für Kinder von Kindern mit extra viel Liebe. Besonders interessiert mich sehr die ungarische Kultur und die Sprache. Hey, 32 Fälle in der Sprache da kommt Freude auf. Aber auch die Musik, das Essen, Stadt, Land, Donau & Co. waren andere Schwerpunkte, die mich interessieren und die ich jetzt voller Freude entdecke.

To do

Bewerbungsunterlagen angefordert [x]

Bewerbungsunterlagen abgeschickt [x]

Einladung zum Auswahlgespräch [x]

Am Auswahllgespräch teilgenommen [x]

Zusage bekommen [x]

Antrag auf Stipendium [x]

Teilnahmevertrag abgeschickt [x]

Teilnahmebestätigung bekommen [x]

Plazierungsunterlagen bekommen [x]

Platzierungsunterlagen abgeschickt [x]

Infomappe bekommen [x]

Versicherungsinformationen zugeschickt bekommen [x]

An Vorbereitungstagung teilgenommen [x]

Gastfamilie gefunden [x]

Völkerverständigungbildet-Stipendium bekommen[x]

Flugbenachrichtigung [x]

Flugticket bekommen [x]

Abreise.10. August. Abschied. [x]

Ein wundervolles Austauschjahr erlebt, mit vielen Hochs und Tiefs. Da kommt ein ganz fettes Kreuz  hin. Daran arbeite ich gerade  : D [ ]

29. Juni. 2012 Rückflug ;(: [ ]

“We love YFU, we love the VBT, we love the teamers, we like the people here…”

So nach dem ihr euch fleißig durch meinen Einführungstext gequält habt, komm ich mal dazu, was nach 3 Monaten, die ich schon mit Bravur von 11 Monaten überstanden hab, passiert ist:  „Was ist passiert& Co.?“  Mit einen gemischten komischen Bauchgefühl von allen verabschiedet ging es im August los. Ich sage euch, dieses Gefühl ist unglaublich und auch zum ersten Mal Fliegen. Dazu ist spannend, wenn man zu viele Filme mit negativem Ausgang eines Fluges gesehen hat.

Genau hier war ich ! Super oder =)

Darauf folgte das Arrvial-Camp in der nähe von Budapest. Es gab Crash-Kurse in Sprache, Kultur, Essgewohnheiten und diverse andere Richtungen z.B. kommt es vor, dass es keine WC-Schüssel gibt.  Hauptnahrungsspeise: Görögdynnie. Das Wetter war auch auf unserer Seite, Sommer, Sonne satt. Bis vor einigen Wochen waren es noch schöne 20 Grad. Ungarn machen 20 YFU- Austauschschüler unsicher. Die vertretenen Nationen: Estland und Süd-Afrika ( eine), Mexiko und Thailand (jeweils zwei) und mit der Mehrheit ca. 15 aus Deutschland. 15 Stück haben in Budapest oder in näher Umgebung ihren ungarischen Sitz und Familie bekommen. Nur ein paar, darunter ich, sind außerhalb untergekommen, z.B. Eger, Miskolc, Szeged, Debrecen, Tizaulúc und….kämpfen wir uns auf den Ländereien oder wie die Ungarn sagen auf den Provinzen durch. Bevor am 1. September die Schule für mich anfing, bin ich schon mal quer durch das große Ungarn gefahren. *Hust.Hust*. Aber bei der Größe von Ungarn sollte man aufpassen, wenn man dort etwas sagt. Die Ungarn finden das nämlich nicht im geringstem amüsant. Hat alles mit dem Vertrag von Trianon, der in Versailles nach dem ersten Weltkrieg geschlossen wurde, zu tun. Ungarn musste, weil es mal wieder auf der Verlierer-Seite stand, 2/3 seines Landes an die Nachbarstaaten abgeben und es kann sich bis heute damit nicht „anfreunden“. Jeder Zweite läuft mit dem Zeichen, eine Karte von Groß-Ungarn herum oder der Trabi bzw. der VW Punkto  wird damit liebevoll beklebt. Wäre so als würden wir mit der Reichsflagge ganz öffentlich rumlaufen. Ungarn sind im allgemeinem nationalstolzer als wir Deutschen. Viele Nationalfeiertage, wo Schwarz -Weiß punkto Kleider ein Muss ist. Und am 20. August wird der Himmel mit wunderschönem Feuerwerk in Szene gesetzt,  leckere Süßigkeiten und Rummel gibt es auch. Entschuldigt meinen ausschweifenden Schreibstil, okay so rede ich auch: D. Zurück zu den Ferien. Als bei euch Regen fiel, waren bei uns 39 Grad. Aber seit längerem ist auch in Ungarn der Herbst eingekehrt. Budapest hat auch schon 6 mal von mir eine Besuch abgestattet bekommen und wird auch noch sehr oft mit mir rechnen müssen.

Ich wohne 4 km entfernt von der 3. – 4. größten Stadt Miskolc. Miskolc ist ein wenig größer als Brandenburg. So und jetzt einmal bitte die Relationen vorstellen. Jap, genau. Die Topographie von Miskolc, Umgebung & Ungarn ist faszinierend. Dort platt wie die Flunder und auf einmal sieht man die herrlichen Weinberge vor sich. Auch ich bin mitten im Weingebiet gelandet.

Schule. Also ich bin in der Klasse 11.h. Und jetzt mach ich euch mal kurz neidisch: Ich habe bis 13:20 oder 14:20 Unterricht. Die Klassen sind mit 40 Männlein und Weiblein gefüllt. Meine Schule kennt man in ganz Ungarn: die drittbeste Schule. Der Unterricht in Ungarn sieht so aus: Lehrer kommt rein, alle stehen auf, setzten sich wieder hin. Denn redet sich der Lehrer 45 Min lang den Mund fusselig und geht. Fertig. Alle schreiben, soviel wie sie nötig halten, mit. In der nächsten Stunde kommt eine mündliche Kontrolle oder ein schriftlicher Test. Aber was ich nicht verstehe, der neue Stoff wird komplett zu Hause alleine gelernt. Ich weiß nicht, welche Funktion der Lehrer hier noch erfüllt. Ob es sowas wie Kopierer und Kopien im ungarischen Wortschatz gibt, bezweifle ich, oder ob man sowas schonmal in der Schule gehört hat? Genauso ist es eine Tatsache, dass wenn es das gibt, muss man ab und zu was zahlen. Fernseher oder Polilux bzw. Beamer  gibt es auch nicht. Es hört sich trocken an und so ist es auch. Aber die Klasse oder die Gruppen sorgen schon für genügend Spaß! 5 ist das Beste und 1 das Schlechteste. Ihr denkt euch bestimmt, dass ich gar nichts mache, nee? Also so ist das jetzt nicht. Ich habe Bücher, mit denen ich lerne. Es gibt einige Sachen, die sich mal unsere Schule von dem Földes abgucken könnte: z.B. kann man im Internet seine Noten, Stundenplan & Co. nachschauen. Aber auch den Freshmenball finde ich ja mal wirklich genial. Die Neuen machen sich zu Belustigung aller zum Appel. : D Und es gibt Kernseife in der Schule, was sich unsere Schule bitte nicht abguckt, aber es ist sehr kostensparend im Gegensatz zu liquid Seife.

Mein Schulgefährt^.^

Freizeit. Musik in in Hülle und Fülle. Jeden Tag Musikschule. Von Flöte, Klavier, Gitarre, Chor bis hin zum klassischen Orchester. Das heißt die Freizeit geht für Musikschule und Üben drauf. Sonst wie ein ganz normaler Jugendlicher, naja Austauschschüler: Die Kultur, sich unter das ungarische Volk mischen, Umgebung und Ungarn entdecken.

Ein paar Kilometer von mir entfernt.

Sprache. Dafür dass ich so ein Sprachgenie*Hust.Hust* bin, lerne ich die zweitschwierigste Sprache der Welt gut.  Bei 32 Suffixen bzw. Fällen kommt reine Freude auf. Dann kommt natürlich das ein oder andere sehr peinliche Fettnäpfchen, aber diese übersteht man aus lauter Auslandsbonus und Lachen sehr gut. Ich erspare euch meine Fettnäpfchen.

Essen. Hungry in Hungary. Kann nicht passieren. Die Ungarn drücken ihre Liebe gern durch Essen aus. Nach dem Motto, wer nicht isst, wird krank. Also wer nicht am Überfütterung-Tod sterben will, muss echt nein sagen lernen, aber das sollte man nicht. Das ungarisch Essen ist f e t t i g, aber so richtig lecker. Weißbrot gibt es hier nur und mein geliebtes Schwarzbrot kaufe ich mir bei DM.

Snicker zum Snacken : D

Denn Schwarzbrot in Ungarn ist in Wirklichkeit Weißbrot bloß leicht vollkorntoastbraun. Mittlerweile esse ich gerne alles mit Chili. Egal wie dünn oder dick jemand ist. Fett wird hier in jeglicher Form zu sich genommen. Z.B. schneidet man sich hier von einer Speckschwarte Fett ab und isst das so. Das nennen die Ungarn sehr fein, ich bitte, wo ist mein Pumpernickel mit körnigem Frischkäse? Ja, damit kommt man hier nicht weit. Die ungarische Schokolade, Sport (Schokoriegel mit Rum) oder Boci sind lecker aber Túrórudi ist nichts für mich. Dieser Riegel ist mit Quark gefüllt.Und da ich keine Zeit für Sport habe, spielen wir den “Stella-nach-Hause-pogen”, okay?

Paprika Chicken.

Die Stücke die ihr da sieht, das ist Fett und das ist Fett. : D

Palacsinta- kann ich auch machen.

Trinken. Ungarn sagen nicht Alkohol zu Bier oder Wein etc., sie sagen, sie trinken ganz normale Getränke. Und Wein wird hier sehr großzügig genossen und natürlich Borsodi(Bier) und Radeberger, Palinká und Jägermeister erfreuen sich großer Beliebtheit.

Im Weinkeller.

 

Sinti und Roma. Die Sinti und Roma sind in Ungarn so beliebt wie der Vertrag von Trianon.  „Eingliederung oder Gleichberechtigung“ werden nicht gr0ßgeschrieben. Trotzdem: Das Gandhi-Gymnasium ist eine Schule für Sinti und Roma in Pécs. Dort können Sinti und Roma Kinder – ich glaube kostenfrei – im Internat leben, essen und sich bilden, um eine Chance zu haben, aber das weiss hier, glaube ich, kaum einer.

Politik. Viktor Orban. Umstritten. Die einen mögen ihn nicht, aber wiederum sagen die anderen, so scheiße wie zuvor ist es nicht mehr. Also von total Scheiße auf Scheiße. Das ist die ungarische Sicht. Es wurde die Pressefreiheit eingeschränkt. Außerdem dürfen die Ungarn, die nicht in Ungarn leben, bestimmen, wie die Ungarn in Ungarn leben sollen. Verstehe ich nicht und kein Ungar. Ich habe mal alle Ungarn (viele : D) in meiner Umgebung befragt so zum Thema Politik, zum Beitritt zu EU im Jahr 2004, dass bei Miskolc doch die neuen drei Boschwerke gebaut worden seien und zu EU-Projekten, mit folgendem Resultat. „Mhh, naja, EU hätten wir auch draußen bleiben können, hat uns auch nichts gebracht.“, „ EU ja ist alles bloß ein Schauspiel.“,“ Die Boschwerke ist das gleiche wie mit der EU, sie sind nur Kulisse. Stell dir vor, die müssen dort unter schlechten Bedingungen arbeiten und bekommen kaum Geld.“ Und hier in Ungarn gibt es von der EU viele Projekte namens  „Neues Ungarn“, mit denen alte Gebäude oder Straßen ppp. erneuert werden. In meinen Augen investiert die EU ziemlich viel Geld in Ungarn, aber die Ungarn sind ab und zu  pessimistisch eingestellt.

Quer durch die Kultur. Auf die Thermalbäder, von denen es sehr viele gibt, schwören die Ungarn darauf als ein Mittel gegen alle Wehwehchen. Und ja es stimmt! Die Verkehrsmittel bzw. der Zug sind so abenteuerlich. Während der Fahrt wird die “Tür” aufgemacht, und als ich das zum ersten Mal erlebt habe, war ich richtig “geflasht”. Mein Lieblingswort, das ich allen gerne hier beibringe, ist Streichholzschächtelchen. Die ungarischen Torten  -man ey- sowas habt ihr noch nie gegessen, so lecker. Ungarn ist sooo unbeschreiblich.

100 Jährige Konditorei in Gyula plus Gästebucheintrag…

Wirlich solch eine Gastfreundschaft ist so…unbeschreiblich toll. In Ungarn ist alles günstiger als bei uns. Essen, Trinken, Dienstleistungen und einfach alle anderen Sachen, dafür ist natürlich das Gehalt niedriger, aber auch die Mehrwertsteuer ist niedriger bzw. es gibt Taxfree-Shops, z.B. H&M gibt es ziemlich viele… aber das gilt hier als Laden für Markenklamotten. Letztens habe ich ein neues deutsches Wort gelernt…plombieren. Sonst ich habe den Überblick verloren… = D Ich habe vergessen, was ich noch schreiben wollte….

Ungarischer Zug ; )

Mal gucken, wie ich nach alledem hier in einem halben Jahr denke…Werte, Einstellung und Menschen verändern sich. Wer wissen will, wie einzigartig dieses Land ist, empfehle ich ein superklasse Buch. Ich bin vor lauter Lachen nicht mehr runtergekommen, ihr wisst ja, wie das ausgeht! Und das Beste ist…es stimmt haargenau! Was ich hier erlebe, so steht es da, bloß mit Stellarischen Merkmalen…jedenfalls heißt das Buch “Die Paprikantin”bitte lest es ! Oder kommt mich jeder Zeit besuchen : D

Zum Schluss möchte ich einer ganz besondere Stiftung danken. Ohne diese Stiftung hätte ich diese wunderbaren Monate bis jetzt nicht erleben können. Deswegen geht ein ganz besonder Dank an die Stiftung VölkerverständigungBildet !!!

Ungarn ist sowas von huchtig und ich liebe Ungarn.

Keine Gewähr auf korrekte logische deutsche Wörter und Sätze.

Liebe Grüße,

Stella Anna.

P.S. “Einen Vorsprung im Leben hat, wer da anpackt, wo die anderen erst einmal reden.”  John F. Kennedy

Wörter : 2216 Ich würde mal sagen, ich habe eine Sternchen verdient ; D

1 Comment

One Comment so far ↓

  • Lena

    Liebe Stella,
    ich sende Dir ganz viele liebeGrüße aus Deutschland! (:
    Ich habe hier alles gelesen & freue mich sehr so viel schönes von Dir zu hören. Super, dass Du so viel Spaß hast & dass Dir vor allem Ungarn gefällt!
    Genauso wie wir staunen würden wenn Du uns Ungarn zeigen würdest, würdest auch Du staunen wenn Du unsere Schule sehen würdest. Es hat sich sowohl Äußerlich als auch vom System her eine Menge verändert!
    Ich vermisse Dich sehr & warte gespannt auf neue Einträge… :P
    Lot’s of love, Deine Leni

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